Liebe Öffentlichkeit,
wir, als Studierendenschaft der Europa-Universität Flensburg, wenden uns mit folgendem Brief an das Bildungsministerium Schleswig-Holstein, um auf die prekäre finanzielle Lage der Europa-Universität Flensburg aufmerksam zu machen. Wir würden uns freuen, wenn ihr uns unterstützt, diesen Brief unterschreibt und teilt!
Offener Brief an das Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur Schleswig-Holstein
Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Stenke,
die Europa-Universität Flensburg ist seit Jahren chronisch unterfinanziert. Die aktuelle Haushaltslage verschärft diese Situation weiter, da Stellen gestrichen werden, Lehrangebote reduziert sind und die Arbeitsbelastung für das verbleibende Personal stetig steigt. Diese Umstände sind aus Sicht der Studierendenschaft nicht länger tragbar. Deshalb wenden wir uns heute direkt an Sie.
Fehlende finanzielle Mittel beeinträchtigen die Qualität der Lehre erheblich. Das Kursangebot verringert sich, Veranstaltungen sind überfüllt, und Dozierende sehen sich einer kaum noch leistbaren Mehrbelastung gegenüber. Prüfungen und Abschlussarbeiten müssen in gleichem Umfang geschrieben, aber von immer weniger Lehrenden betreut werden. Dies geschieht auf Kosten der Qualität und der individuellen Betreuung.
Auch in der Verwaltung zeigen sich die Folgen der Einsparungen deutlich. Verzögerungen bei administrativen Abläufen, wie der Immatrikulation, sind mittlerweile alltäglich. Die Übertragung der finanziellen Verantwortung auf eine der einkommensschwächsten Gesellschaftsgruppen, den Studierenden, in Form einer Verwaltungsgebühr, halten wir für sozial und generationsspezifisch ungerecht und ignorant.
Einsparungen im Bildungsbereich führen unweigerlich zu einem langfristigen Verfall von Bildung und Wissenschaft. Bildung ist eines der zentralen Güter unseres Landes und Grundlage von Innovation, sozialem Zusammenhalt und wirtschaftlicher Stärke. Gut ausgebildete Fachkräfte sichern den Wohlstand von morgen, schlechte Bildungsbedingungen gefährden ihn.
Darüber hinaus hat die Qualität von Bildung direkte Auswirkungen auf unsere Demokratie. Eine gut ausgebildete Gesellschaft ist weniger anfällig für populistische Tendenzen und antidemokratische Entwicklungen. Wir müssen aus internationalen (z.B. aktuell in den USA) und historischen Beispielen erkennen, was aus dem Verlust von Bildungsqualität folgen kann.
Besonders besorgniserregend ist der mögliche drohende Abbau wissenschaftlicher Expertise in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen. Die Wissenschaft sollte weiterhin als objektive Instanz zur Bewertung politischer Maßnahmen dienen können, was nicht möglich sein wird, wenn Stellen nicht besetzt werden können oder vorhandene gestrichen werden.
Mit dem Verfall der Hochschulbildung verliert Schleswig-Holstein an Attraktivität als Bildungs- und Wissenschaftsstandort, sowohl national als auch international. Wir können davon ausgehen, dass auch der Anteil der internationalen Studierenden dadurch beeinflusst wird. Vor allem, wenn andere Bundesländer oder Staaten bessere Studienbedingungen gewährleisten können.
Im Fall der Europa-Universität Flensburg hat die Unterfinanzierung zudem unmittelbare Auswirkungen auf das gesamte Bildungssystem des Landes. Mit rund 77 Prozent Lehramtsstudierenden trägt unsere Universität entscheidend zur Ausbildung der zukünftigen Lehrkräfte in Schleswig-Holstein bei. Eine Verschlechterung der Studienbedingungen wirkt sich somit direkt auf die Schulbildung der kommenden Generationen aus. Zudem wirkt es als Katalysator der bereits angesprochenen Folgen für die Gesellschaft, Demokratie und Wirtschaft.
Die EUF steht für ihre besonderen Schwerpunkte in den Bildungswissenschaften, der Lehrer:innenbildung und der Transformations- und Nachhaltigkeitsforschung. Bei uns werden die Lehrkräfte von morgen ausgebildet, welche nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch demokratische Werte, Inklusion und Weltoffenheit. Dies wird bei uns mit einem besonderen Fokus auf Didaktik und Pädagogik möglich (im Vergleich zu Kiel). Zusätzlich werden nur bei uns Lehrkräfte mit dem Fokus auf Sonderpädagogik oder Grundschule ausgebildet. Dies sind beides Bereiche, welche das Fundament für Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe sind. Die Studierenden lernen, Kinder individuell zu fördern, die Vielfalt als Stärke zu sehen und letztlich inklusive Bildung aktiv zu gestalten. Damit trägt die EUF maßgeblich dazu bei, eine Bildungslandschaft zu ermöglichen, welche niemanden zurücklässt.
Mit unseren Studiengängen Transformationsstudien, European Cultures and Society und Energie- und Umweltmanagement trägt unsere Universität aktiv zur Erforschung zentraler Zukunftsthemen, wie Klimawandel und soziale Gerechtigkeit bei. Zudem ermöglicht unsere Universität mit ihrem kleinen, familiären Campus eine enge Zusammenarbeit zwischen den Dozierenden und uns Studierenden. Diese Atmosphäre fördert aktives Mitgestalten und ermöglicht persönliche Betreuung. Die EUF ist insgesamt eine moderne und zukunftsorientierte Hochschule, welche europäisch, sozial und nachhaltig ist.
Wir fordern daher eine verlässliche und ausreichende Finanzierung der Europa-Universität Flensburg. Diese darf sich nicht an einem Mindestmaß orientieren, das lediglich das Überleben der Institution sichert, sondern muss eine qualitativ hochwertige Lehre, Forschung und Verwaltung ermöglichen. Nur so kann die Universität ihrer wichtigen Rolle im Land gerecht werden – als Ort der Bildung, der Forschung und der gesellschaftlichen Verantwortung.
Mit freundlichen Grüßen
Die Studierendenschaft der Europa-Universität Flensburg
Hier gehts zum Unterschreiben – Danke für deine Unterstützung!

