EUF-Bekenntnis zum Antifaschismus

Als Mitglieder der Europa-Universität Flensburg erklären wir öffentlich unsere Solidarität mit den Betroffenen rechter Gewalt und denen, die ihr entgegenstehen. Wir teilen das untenstehende Bekenntnis zu einer antifaschistischen Universität Flensburg.

Hintergrund

Am Osterwochenende (5.–7. April 2026) wurden in Flensburg die Büros der Parteien CDU, SPD, Linke, Grüne und SSW mit Brandsätzen angegriffen; neben den Brandspuren fanden sich aufgesprühte Deutschlandflaggen und rechtsextreme Sticker. Auch Flensburger Einrichtungen wie der Infoladen Subtilus und das queere Zentrum FLENSBUNT sind regelmäßig Ziel von rechtsextremen Angriffen.

Das unabhängige Monitoring von Zebra e.V. registrierte für Schleswig-Holstein im Jahr 2025 durchschnittlich drei rechte, rassistische und antisemitische Angriffe pro Woche. Auf dem Flensburger Campus selbst wurde zu Jahresbeginn ein großes Hakenkreuz auf den vereisten See zwischen Audimax und Bibliothek gekratzt, im Umfeld des Campus tauchen darüber hinaus vermehrt Sticker und Graffiti rechtsextremen Inhalts auf.

Zunehmend geraten auch Wissenschaftler:innen ins Visier – etwa durch parlamentarische Anfragen, die Hochschulen auffordern, Forschende in Feldern wie Geschlechter-, Migrations-, Nachhaltigkeits- oder postkolonialer Forschung namentlich zu erfassen.


Bekenntnis zum Antifaschismus

Wir, die Mitglieder der Europa-Universität Flensburg, bekennen uns zum Antifaschismus.

In Zeiten, in denen weltweit Angriffe auf die Freiheit der Wissenschaft stattfinden – und in denen diese Angriffe etwa in den USA von dem Versuch flankiert werden, den Widerstand gegen sie als Terrorismus zu kriminalisieren –, dürfen sich Universitäten nicht hinter einer vorgeschobenen Neutralitätspflicht verstecken.

Wir müssen es sagen, wie es ist: Die rechtsextreme Ideologie des Rassenkriegs und des angeblich drohenden „Volkstodes“, der durch rassistische, antifeministische und queerfeindliche Angriffe auf die Menschenrechte verhindert werden soll, stellt unser friedliches Zusammenleben in Freiheit und Würde fundamental infrage. Nicht erst, wenn die Wissenschaft direkt angegriffen wird, werden wir alle angegriffen und müssen entsprechend reagieren. Seien es Angriffe auf Wohnungslose, Behinderte, Geflüchtete, Erwerbslose oder religiöse Minderheiten: Überall suchen und finden die Feinde unserer Freiheit Sündenböcke, die angeblich das Blut ihres „Volkes“ vergiften. Wir gedenken an dieser Stelle Ingo Finnern, der am 19. März 1992 als wohnungsloser Sinto von einem Rechtsextremen im Flensburger Hafen ermordet wurde, nachdem er sich dessen rassistischer Hetze entgegengestellt hatte – und der zigtausenden Toten, die jährlich der Illusion eines „ethnisch“ homogenen Europas geopfert werden.

Wir bekennen uns zum Antifaschismus auch vor dem historischen Hintergrund des deutschen Nazi-Terrors, dessen letzte Regierung im Mai 1945 in der Mürwik verhaftet wurde. Am selben Ort nahm nur ein Jahr später die Pädagogische Hochschule Flensburg – die heutige Europa-Universität – ihren Betrieb auf. Dies allein bewahrt uns vor der Schande, auf Denunziationen von „nicht-arischen“ oder politisch missliebigen Kommiliton:innen und Kolleg:innen auch an unserer Universität zurückblicken zu müssen. Als erste demokratische Hochschulneugründung Schleswig-Holsteins nach dem Ende der NS-Diktatur haben wir den ausdrücklichen Auftrag, zu verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat zu erziehen. Der Antifaschismus ist unserer Universität damit nicht äußerlich – er ist ihrem Gründungsauftrag eingeschrieben. Diesem Auftrag bleiben wir verpflichtet.

Im Angesicht des weltweiten Auflebens menschenfeindlicher Politik und rechtsextremer Hassverbrechen auch auf unserem Campus widersetzen wir uns solchen Angriffen. Wir stellen uns schützend vor diejenigen Mitglieder unserer Universität, gegen die sich dieser Hass im Besonderen richtet. Und auch denen, die sich diesem Hass auf der ganzen Welt mutig in den Weg stellen, rufen wir zu: Ihr seid nicht allein. Wir sind alle Antifaschist:innen!

Hier gehts zur Unterzeichnung.